Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 





“Das




Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 182 mal aufgerufen
 Karl-Heinz Fricke
karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

06.08.2007 00:09
Was die alte Eiche erzählt Zitat · antworten
Hundert Jahre sind vergangen
seit ich als Trieblein angefangen.
Man sagt, ich könne tausend werden,
auf diesem, meinen Platz auf Erden.

Viel geschah schon um mich her,
der große Wald besteht nicht mehr.
Mehrmals hab ich schon gedacht:
'Mir wird jetzt der Garaus gemacht'!

Zum Glück war da ein weiser Mann,
der schrie die andern heftig an.
Jetzt führt die lange Schienenstrecke
bei den Buchen um die Ecke.

Die Autostraße, gleich daneben-
Ruhe wird's hier nicht mehr geben.
Dazu der schreckliche Gestank,
oftmals wird mir mächtig bang.

Auf meinen Blättern Russ und Staub,
bis zum Frühjahr bleibt das Laub.
Was ich nicht als schön empfinde,
ist Eingeritztes in meiner Rinde.

Doch auch in der alten Zeit
sah ich sehr viel Herzeleid.
Grausame Feinde vor des Ortes Toren,
und die unbarmherzigen Inquisitoren.

Die alten Ritter auf ihren Rossen,
die noch mit der Armbrust schossen,
dass die Pfeile zischend schwirrten
und die Rüstungen dabei klirrten.

Ich war Zeuge der tödlichen Pest,
die so vielen gab den Rest.
Armut sah ich, große Not,
Kinderaugen betteln für Brot.

Ich sah Flut und Feuersbrunst,
die Epochen und die Kunst.
Kaiser und König sah ich regieren,
und feine Damen promenieren.

Je moderner, die Zeiten wurden,
umso mehr verfielen die Burgen.
Heute nur noch Attraktion,
für den steten Touristenstrom.

Ich war Zeuge furchtbarer Taten
von Schergen und Soldaten
aus der jüngst vergangnen Zeit,
vergeblichem Beten und großem Leid.

Der Fortschritt sollt' die Gewalt besiegen,
doch immer wieder kommt es zu Kriegen.
Neue Vernichtung - neues Verderben,
und niemand denkt an unsere Erben.

Häuser schieben sich näher heran,
vielleicht komme ich doch noch dran.
Reh' und Hirsch sehe ich kaum,
man nahm ihnen den Lebensraum.

Ich seh über mir den Luftverkehr,
Joggers rennen hin und her.
Raketen fliegen pfeifend ins All,
verstummt ist Vogelsang -und Schall.

Auch weiße Tauben seh ich nicht,
sie sind verschwunden aus meiner Sicht.
Ach, wie gerne ich sie doch sähe,
ganz sind sie aus der Menschen Nähe.
hinrich* Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 803

06.08.2007 23:57
#2 RE: Was die alte Eiche erzählt Zitat · antworten



Lieber Karl-Heinz,

was können die jungen Leute schon
über alte Eichen berichten ?

Du verstehst es in besonderer Weise,
Das Weltgeschehen aus der Sicht dieser
alten Veteranen zu schildern.

Kriege sind über sie hinweggezogen, die
vor hundert Jahren kaum vorstellbaren
Weltveränderungen haben an ihr gezerrt
und gerüttelt - sie steht immer noch
an ihrem Platz und harrt der Dinge, die
da noch auf sie einstürmen. Einst wird
sie unsern Urenkeln und Ururenkeln erzählen
von der "guten alten Zeit - 2007 - ach ja !

Dein Gedicht hat mir wieder einmal gefallen.

Liebe Grüße
Hinrich
who

karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

07.08.2007 23:01
#3 RE: Was die alte Eiche erzählt Zitat · antworten
Lieber Hinrich ich danke dir für deine Worte.
Wenn man bei jemanden zu Gast ist, dann beschädigt man nicht dessen Eigentum und man muss sich anpassen. Wir sind Gast bei Mutter Erde und tun ihr Schreckliches an, und was der Mensch erbaut zerstört er wieder, um mit Schiller zu sprechen.
«« Mutter Erde
 Sprung  
Erdbebenkatastrophe Haiti

** Bilder verkleinern ** Kostenlos Bilder hochladen **
Xobor Forum Software von Xobor | Forum, Fotos, Chat und mehr mit Xobor