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 Peter Bochanan
Gast
Beiträge:

23.08.2007 13:08
Weihnacht mit Hindernissen antworten

Da es ja nun nicht mehr ganz so lange ist bis zur nächsten Weihnacht und ich überdies bei einem großen deutschen Verlag an einem Wettbewerb für Weihnachtsgeschichten teilnehme, habe ich mir gedacht, ich stelle euch mal zwei der Geschichten heute vor. Wer weiß, vielleicht kann ich ja, bei entsprechendem Feedback eurerseits, vor Einsendeschluß noch die ein oder andere Korrektur vornehmen. Wenn ich nichts von euch höre, dann gehe ich davon aus, dass die Storys so in Ordnung sind und drück mir fest die Daumen. Die besten Geschichten kommen in eine Anthologie.

Hier kommt jetzt der erste Streich, und der zweite folgt dann gleich






„Ich freue mich riesig auf heute Abend. Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, das wir Weihnachten wieder mit meinen Eltern zusammen feiern. Das habe ich sehr vermisst in der Zeit, die wir in Australien verbracht haben.“
„Ich weiß mein Liebling, ich habe deine Eltern auch vermisst aber es war leider unmöglich mal eben von Australien hierher zu fliegen. Du weißt ja das der Damm terminiert war aber jetzt sind wir ja wieder zu Hause.“ Selma schenkte sich und Broderik, ihrem Ehemann, noch einmal Tee nach. Broderik hatte die letzten fünf Jahre damit verbracht in Australien einen riesigen Staudamm zu bauen und Selma war froh, dass sie ihn begleiten konnte. Ansonsten hätte sie die ganze Zeit alleine zu Hause verbringen müssen.
Broderik bot ihr zwar immer wieder an, auf einen Besuch nach Hause zu fliegen aber sie wollte ihn nicht alleine lassen. So war sie die ganzen Jahre über drüben geblieben.

Als sie ihren Tee geleert hatten, ging Broderik ins Bad um sich für den Abend zurechtzumachen. Selma kontrollierte noch einmal, ob sie auch alle Geschenke eingepackt und nichts vergessen hatte.
Nachdem Broderik das Bad verlassen hatte, begab sich Selma dorthin. Broderik setzte sich so lange, bis sie fertig war, noch ins Wohnzimmer, rauchte eine Zigarette und trank einen Orangensaft. Alkohol wollte er jetzt nicht zu sich nehmen, da er ja noch fahren musste. Später konnte er dann auch etwas trinken denn sie würden bei den Eltern von Selma übernachten. Gegen 15 Uhr machten sie sich abreisefertig. Sie hatten gute zwei Stunden Fahrt vor sich. Es hatte in den letzten drei Tagen heftig geschneit so das Sie wohl nicht so schnell vorwärts kommen würden wie sie es sich wünschten aber Broderik war ein guter und sicherer Autofahrer, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen konnte.
Broderik lud die Einkaufstaschen mit den Geschenken in den Kofferraum. Die kleine Reisetasche mit ihren Sachen für die Nacht stellte er auf dem Rücksitz ab. Dann öffnete Selma das Garagentor und Broderik fuhr den Wagen auf die Straße. Hinter Broderik schloss sie das Tor wieder und stieg schnell ins Auto denn es war bitterkalt draußen. Sie waren noch keine Stunde unterwegs da wurde es auch schon dunkel und es begann erneut zu schneien.

„Mistwetter, ich habe ja nichts gegen Schnee aber ich muss ihn nicht unbedingt haben, wenn ich unterwegs bin.“ Broderik kniff die Augen zusammen, weil er trotz der eingeschalteten Scheibenwischer kaum noch etwas erkennen konnte. Auf der Straße war es still, kein Auto kam ihnen entgegen. Jetzt mussten sie auch noch ein lang gezogenes Waldstück passieren. Broderik hatte das Radio eingeschaltet. Leise erklangen weihnachtliche Melodien aus den Lautsprechern. Die letzte bewohnte Ortschaft lag ca. 45 Minuten hinter ihnen, die Nächste die sie erreichen würden etwa genauso weit vor ihnen.
„Ach du lieber Gott, jetzt fängt das auch noch an“ sagte Selma plötzlich und rieb sich den rechten Schenkel. „Was hast du denn Liebling“ fragte Greg „hast du Schmerzen im Bein?“

„Ein Krampf, ich habe einen Krampf im Oberschenkel. Hoffentlich sind wir bald da.“
Broderik sah zu ihr hin und fragte „Soll ich anhalten, damit du dir einen Moment die Beine vertreten kannst?“ Statt einer Antwort schrie Selma unvermittelt: „Brodi, Vorsicht!“ Broderik schaute blitzschnell nach vorn und erschrak. Im allerletzten Moment konnte er noch ausweichen und eine Kollision mit dem riesigen Hirsch verhindern, der urplötzlich mitten auf der Straße gestanden hatte. Der Wagen kam ins Schleudern und rutschte auf der Fahrbahn hin und her. So sehr Broderik auch gegenlenkte, er bekam das Fahrzeug nicht unter Kontrolle. Der Graben auf der rechten Seite kam unaufhaltsam näher und knapp drei Meter weiter rutschen sie in ihn hinein. Mit einem Ruck kam der Wagen zum Stehen.

„So ein verdammter Mist, warum muss dieses Vieh ausgerechnet jetzt da stehen. Bleib ruhig sitzen Schatz, ich schau mir den Salat mal an.“
Beim Aussteigen hatte Broderik gewisse Schwierigkeiten denn der Wagen war so in den Graben gerutscht das die Fahrerseite nach oben wies, die Beifahrerseite befand sich auf dem Boden des Grabens so das Selma nicht in der Lage war, ihre Tür zu öffnen. Nachdem Broderik sich aus dem Fahrzeug gezwängt hatte und auf der Straße stand, stapfte er wütend mit dem Fuß auf den zugeschneiten, vereisten Boden. Dann ging er zum Wagen zurück und sagte zu Selma: „Hier kommen wir alleine niemals wieder raus. Ich muss losgehen und Hilfe holen. Irgendjemand muss uns hier herausziehen.“ Da sie nicht im Besitz eines Mobiltelefones waren, blieb Broderik gar nichts anderes übrig als loszustapfen, um Hilfe zu holen.

„Oh Greg, bitte lass mich hier nicht allein, ich habe solche Angst. Was soll ich tun wenn jemand kommt? In dieser Einöde hört mich kein Mensch schreien.“
„Aber Liebling, uns bleibt doch gar nichts anderes übrig. Wie sollen wir sonst hier wegkommen? Starte den Motor wieder, damit du nicht frierst, und verschließe alle Türen. Wenn jemand kommt, machst du einfach nicht auf. Ich bin so schnell wie es nur irgend geht wieder zurück.“
Broderik wollte gerade losmarschieren, da sah er in noch einiger Entfernung vor sich, ihnen entgegenkommend Scheinwerferlicht. Er blieb stehen und beobachtete die Scheinwerfer und tatsächlich wurden sie größer. Als Broderik die Motorengeräusche hören konnte, stellte er sich mitten auf die Fahrbahn und begann zu winken. Zwei Minuten später hielt der Wagen genau vor seinen Füßen. Der Fahrer stieg aus und trat in den Kreis der Scheinwerfer, sodass Broderik sein Gesicht sehen konnte.
„Tom, Mensch Tom, sie schickt der Himmel. Wir sind auf dem Weg zu Selmas Eltern. Plötzlich stand ein riesiger Hirsch mitten auf der Fahrbahn und ich bin in den Graben gerutscht. Können sie uns da rausziehen bitte?“

Tom Zellweger war der Nachbar von Selmas Eltern und bewohnte das Haus rechts neben ihnen. Er reichte Broderik die Hand und winkte auch zu Selma hinüber die immer noch im Auto saß.
„Mit meinem Pick-up dürfte das kein Problem sein Broderik. Ich wende mal und dann machen wir das Stahlseil der Winde an deinem Wagen fest.“ Während Tom seinen Wagen wendete, ging Broderik zu seinem Auto und öffnete die Tür.
„Tom zieht uns hier raus, in spätestens 10 Minuten sind wir wieder unterwegs. Jetzt brauch ich dich wenigstens nicht alleine zu lassen. Bleib nur ruhig sitzen, es kann nichts passieren.“
Broderik schloss die Türe und ging zurück zu Toms Pick-up, der mittlerweile in Position stand. Dann nahm er den Haken, zog das Stahlseil bis zu seinem Auto und befestigte ihn daran. Tom startete den Motor und zog vorsichtig das Seil über die Winde. So löste sich der PKW aus dem Graben und kam Stück für Stück auf die Straße zurück. Nach fünf Minuten war alles gelaufen und Broderik löste den Haken wieder von seinem Fahrzeug. Tom zog den Rest des Seiles auf die Winde und winkte dann aus dem Fenster der Fahrertür.

Gerade noch erreichte Broderik ihn, bevor er losfahren konnte.
„Vielen Dank Tom, das war wirklich Rettung in höchster Not. Kommen sie doch mit zu Selmas Eltern, dann trinken wir ein Glas zusammen und wir können uns auf diese Weise bei Ihnen bedanken für die Mühe, die sie unseretwegen hatten.“ Tom hatte etwas Geistesabwesendes in den Augen, das war Broderik vorher gar nicht aufgefallen und sein Blick war seltsam leer, als er antwortete: „Nein danke Broderik, ich muss jetzt gehen.“ Rasch griff Greg nach seiner Brieftasche und zog eine Banknote heraus.
„Dann nehmen sie wenigstens das Geld hier als kleines Zeichen unserer Dankbarkeit.“
Tom jedoch sagte erneut: „Nein danke Broderik, das brauche ich nicht, ich muss jetzt gehen, man erwartet mich bereits. Auf Wiedersehen und alles Gute.“ Ohne ein weiteres Wort gab er Gas und entfernte sich rasch. Broderik und Selma waren wieder alleine in der Einsamkeit.

Schnell stieg Broderik in den Wagen denn er fror am ganzen Körper ob der beißenden Kälte, die draußen herrschte. Dann legte er den Sicherheitsgurt an und fuhr los.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichten sie endlich das Haus von Selmas Eltern. Sowohl die als auch die drei Geschwister hatten sich schon Sorgen gemacht, weil die beiden so spät eingetroffen waren.
Nachdem sie abgelegt hatten, gingen sie alle gemeinsam ins Wohnzimmer, wo ein riesiger Tannenbaum eine der Zimmerecken zierte. Dann erzählte Broderik von ihrem zum Glück gut ausgegangenen Unfall und während Broderik von der Rettung durch den Nachbarn berichtete schauten sich die anderen verwundert an, unterbrachen Broderik aber nicht und ließen ihn zu Ende ausführen. Erst als Broderik fertig war, fasste Selmas Mutter sich ein Herz und sagte: „Wir sind ja froh, dass euch nichts passiert ist und ihr so schnell Hilfe bekommen habt aber es kann nicht Tom gewesen sein der euch aus dieser brenzligen Situation befreit hat denn Tom ist tot. Er verstarb im letzten Jahr an einem Herzschlag.“


© by Peter Bochanan

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