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 Peter Bochanan
Peter Bochanan Offline




Beiträge: 282

25.08.2007 14:17
Der getürkte Überfall Antworten
Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass ich momentan in 3 Wettbewerben stecke. Einer davon ist ein Kurzkrimiwettbewerb, den eine regionale Zeitung ausgeschrieben hat. Aus diesem Anlass stelle ich euch heute 2 der mittlerweile 9 Geschichten vor, die ich seit dem 28. Juli dort eingereicht habe. Die Vorgaben der Jury sind folgende:

Maximal 2 DIN - A4 Seiten Text,

Etwas Lokalkolorit,

Einen Mord (samt Mörder natürlich),

und ein passendes Motiv (wobei die Handlung den größtmöglichem Spannungsbogen haben sollte).

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen und hoffe, das euch die Storys zusagen.



Hauptkommissar Berger und sein Assistent De Ruijter standen in der KBC – Bank auf der Lütticherstraße in Kelmis und unterhielten sich mit den Mitarbeitern. Als der Räuber vor ca. einer Stunde die Filiale betreten hatte, war zum Glück nicht viel Betrieb gewesen. Zwei Kunden befanden sich an verschiedenen Schaltern. Ein Dritter, der sich in den hinteren Räumen aufhielt, weil er die nicht gerade kleine Summe von 500.000 Euro in bar von seinem Konto abgehoben hatte, kam just in diesem Augenblick wieder in die Schalterhalle zurück. Nun war er tot und sein Geld gestohlen. Der Bankräuber hatte ihm den Geldkoffer entrissen, dann die Tür geöffnet und ihm mitten ins Herz geschossen. Danach war er geflohen. Vor lauter Schreck hatten sich alle Kunden und auch Mitarbeiter auf den Boden fallen lassen, als der Schuss fiel und so hatte niemand darauf geachtet, in welche Richtung der Täter geflüchtet war. „Warum hat der Herr Claßen denn soviel Geld abgehoben?“, fragte Berger den Mitarbeiter, der mit dem Toten die Transaktion abgewickelt hatte. „Er wollte in Aachen ein Haus kaufen und der Käufer hat darauf bestanden, dass er die Summe bei Kauf in bar ausbezahlt bekommt“, erwiderte der Bankangestellte. „Da das Objekt auf der Lütticherstraße in Höhe des Berliner Rings liegt und niemand außer ihm und dem Verkäufer von dem Deal wusste, hielt Herr Claßen aufgrund der geringen Entfernung das Ganze für ungefährlich und problemlos durchführbar. Also packten ich das Geld hinten in einen von Herrn Claßen mitgebrachten Lederkoffer und übergab es ihm.“

„Die Sache stinkt ganz gewaltig“, sagte Berger zu De Ruijter, als sie auf dem Weg waren, um sich mit dem Verkäufer des Hauses zu unterhalten. „Erstens hat der Täter das Geld in den Schaltern nicht angerührt, sondern nur den Koffer mit der halben Million mitgehen lassen. Zweitens bestand, nachdem er das Geld hatte, gar kein Anlass, den Mann zu erschießen, denn die Bankangestellten haben übereinstimmend ausgesagt, dass Herr Claßen sich vollkommen ruhig verhalten hat. Für mich steht fest, dass es der Täter nur auf diesen Koffer abgesehen hatte. Woher aber wusste er, dass ausgerechnet an diesem Morgen und zu dieser Zeit Claßen das Geld abholen würde? Nach Aussage des Bankangestellten war niemand außer dem Verkäufer und dem Käufer in die Sache eingeweiht.“ De Ruijter zuckte nur mit den Schultern, denn auch er wusste keine Antwort auf diese Frage.

Als sie das Haus auf der Lütticherstraße erreichten, schloss ein Mann mittleren Alters gerade sein Auto auf. Berger parkte hinter dem Wagen in der Auffahrt, sodass die Person nicht wegfahren konnte. Die beiden Kommissare stiegen aus und gingen auf den Mann zu. Als sie vor ihm standen, wiesen sie sich aus. „Nanu, was macht denn die belgische Polizei in Deutschland? Sind sie auf Betriebsausflug?“ Er lachte gackernd über seinen eigenen, nicht sehr gelungenen Scherz. „Nein, wir sind hier, um sie davon zu unterrichten, dass der Käufer, mit dem sie hier einen Termin hatten, nicht erscheinen wird. Er ist aufgrund eines Loches in seinem Herzen leider verhindert.“ Und dann erzählte Berger dem Hausbesitzer den Tathergang. „So ein Mist“, fluchte dieser, nachdem er alles erfahren hatte, „dann muss ich ja eine neue Anzeige aufgeben und auf den nächsten Interessenten warten. Ich wollte das Haus so schnell wie möglich loswerden. Wissen sie, seit dem Tod meiner Frau lebe ich alleine hier und mit der Zeit ist mir das alles zu viel geworden.“ Nach weiteren zehn Minuten verabschiedeten sich die Beamten. Berger startete den Wagen und setzte rückwärts aus der Ausfahrt auf die Straße. Dann fuhr er los in Richtung Kelmis, aber nach ca. 150 Metern bog er links ein und stellte den Wagen in einem kleinen Weg neben einer Wiese ab. Dann klärte er De Ruijter auf, der, als Berger die gerade begonnene Fahrt so abrupt wieder beendete, ihn ratlos angeschaut hatte.

„Der Kerl hat doch behauptet, dass er seit dem Tod seiner Frau alleine in dem Haus lebt. Als wir eben ins Auto gestiegen sind, um zurück zu fahren, bemerkte ich aus den Augenwinkeln, dass jemand hinter der Gardine eines Fensters neben der Eingangstür stand und uns beobachtete. Als ich genauer hinschaute, ließ der- oder diejenige die Gardine los und trat schnell vom Fenster zurück. Lass uns doch mal schauen, ob noch jemand das Haus verlässt in absehbarer Zeit.“ So informierte Berger das Revier, damit man dort ihren Standort kannte, falls sie einen anderen Einsatz bekämen.

Sie brauchten auch gar nicht so lange warten. Es war etwas mehr als eine halbe Stunde vergangen, als sich die Haustür, die sie von hier aus bequem einsehen konnten, öffnete. Berger stieß De Ruijter an, der gerade damit beschäftigt war, die Notizen auszuwerten, die er sich heute Morgen in der Bank gemacht hatte. „Schau dir das mal an, das gibt es doch gar nicht.“ De Ruijter war, als er die Person erblickte, genauso erstaunt wie Berger. Schnell packte er die immer griffbereit auf dem Rücksitz liegende Kamera und machte einige Fotos. Nachdem die Person den Bus nach Aachen bestiegen hatte, startete Berger den Motor und folgte ihm. An der Schanz wechselte die zu observierende Person den Bus und bestieg die Linie 3/13. „Wo der wohl hin will?“, fragte sich De Ruijter. „Das werden wir bald erfahren, nur Geduld“, entgegnete Berger. Am Kaiserplatz war dann Endstation. Es war purer Zufall, dass Berger eine freie Parklücke erwischte. Er stellte den Wagen ab und die beiden eilten der Zielperson hinterher. Vor der Stadtsparkasse an der Ecke des Adalbertsteinwegs blieb der Mann stehen und schaute auf die Uhr.

Wenige Minuten später gesellte sich ein zweiter Mann zu ihm. „Was sagst du dazu?“, fragte Berger und sah De Ruijter an, „Ich glaube, es wird Zeit für ein Amtshilfegesuch, Ich werde mal schnell telefonieren.“ Berger holte sein Handy hervor und wählte die Nummer der Aachener Polizei. Dort erklärte er die Sachlage und bat um Unterstützung. Der Beamte in der Leitstelle versprach, unverzüglich einen Wagen loszuschicken. Während Berger telefonierte, unterhielten sich die beiden Männer. Dann wandten sie sich plötzlich ab und betraten die Sparkasse. De Ruiter ging hinterher, Berger wartete auf das Einsatzfahrzeug der Polizei. Als dieses kurze Zeit später erschien, erzählte Berger mit wenigen Worten, worum es hier ging. Da die Sparkasse zwei Eingänge hatte, einen hier am Kaiserplatz, den anderen auf dem Adalbertsteinweg, trennten sich die Beamten. Einer sicherte den zweiten Eingang und der andere betrat mit Berger die Bankfiliale.

Die beiden Männer standen an einem Schalter und De Ruijter hatte sich so postiert, das er genau beobachten konnte, was dort geschah. Die vermeintlichen Kunden wunderten sich nicht schlecht, als sie plötzlich von den Beamten umringt waren. Als erstes kontrollierte die deutsche Polizei die Ausweise der beiden, dann nahm Berger sie wegen Mordes und Beihilfe zum Mord fest. Das Beweismaterial in Form eines schwarzen Lederkoffers wurde beschlagnahmt und alle fuhren gemeinsam auf das Aachener Polizeipräsidium. „Das haben sie sich nicht träumen lassen, das ihr Reichtum so schnell wieder versiegt was?“, begann Berger das Verhör, das ihm die deutschen Kollegen gerne überließen, weil er ja mit den Fakten vertraut war. Es dauerte ganze sechs Stunden, bis die beiden Täter mit der Wahrheit herausrückten. In der Zwischenzeit war von Seiten der belgischen Polizei schon ein Auslieferungsgesuch an die deutschen Behörden ergangen. Man war sich sicher, dass es da keinerlei Probleme geben würde. So lange waren die beiden in deutschem Gewahrsam sicher aufgehoben.

Als Berger und De Ruijter am frühen Abend auf dem Rückweg nach Eupen waren, hatten sie eine Kopie des Geständnisses in Händen. Was war passiert? Die beiden Täter, eineiige Zwillinge übrigens und kaum voneinander zu unterscheiden, was die belgischen Beamten beim Verlassen des Hauses im ersten Moment etwas verwirrte, weil sie der Meinung waren, der gleiche Mann sei vor Kurzem schon einmal gegangen, hatten eine kleine Firma gehabt. Diese war nach hartem Konkurrenzkampf mit Claßen, der immer am längeren Hebel saß, pleite gegangen. Das wollten sich die Brüder nicht gefallen lassen. Sie schmiedeten den Plan, dass der eine zum Schein sein Haus verkaufen und dann den anderen unterrichten sollte, wann der Hauskauf über die Bühne ging. Weil der eine auf Barzahlung bestand, konnten sie sicher sein, das Claßen kurz vor dem Treff das Geld bei der Bank holen würde. So brauchte der Räuber, nachdem er von dem Termin erfahren hatte, nur in der Nähe der Bank zu warten, bis Claßen auftauchte. Da der Dieb vor lauter Aufregung in der Bank gesagt hatte: „So, nun gib mir mein Geld“, hatte er Angst, an der Stimme erkannt zu werden. Deshalb musste Claßen sterben.


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