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Das gute Lieschen
Lieschen neunzehn Jahre alt war von lieblicher Gestalt. Sie machte sich nichts aus Kleider und Hüte, sie war ein Mädchen von großer Güte. Unglücklich war die Nachbarsfrau, sie hätte gern Leben in ihrem Bau. Gern möchte sie ein Kindlein wiegen, leider kann sie keines kriegen. Ihr Mann, der schöne Theobald, wurde langsam ungehalt', sprach von Scheidung oft im Zorn, warf noch die Flinte nicht ins Korn. Verzweifelt kam der Frau die Idee: 'Wenn ich des Nachbarn Tochter seh, die könnte doch, ach Gott, o nein, die Trägerin des Kindes sein'? Sie sprach mit ihrem Mann. Der sah sie voller Zweifel an. Er sprach: "Wie soll denn das geschehn?" Da sagte sie: "Du wirst schon sehn!" Lieschen nun, noch ohne Schuld, fühlte doch schon Ungeduld, und sie fühlte auch so ein Kribbeln in ihrem Bauch. Die Nachbarin, Frau Löwenstein, lud sie dann zum Kaffee ein. Zuerst sprach sie von Hof und Haus, dann kam sie mit der Sprache raus. Klagend über ihre Kinderlosigkeit, tat sie sehr dem Lieschen leid. So fragte sie das Mädchen dann, ob sie mit ihr rechnen kann ihre Ersatzmutter zu sein, um mit Theobald allein - Nur wenn sie den Mut dazu hätt', mit ihm zu steigen in ein Bett ? Da errötete Lieschen sehr und sagte still, es fiel' ihr schwer. Zusagend sie dann meinte, als die Frau so herzhaft weinte: "Sagen Sie Ihrem Mann Bescheid, dass ich ab morgen bin bereit". Alles klappte wunderbar, und das Wunder dann geschah. Die Frucht ging auf in ihrem Bauch, und das freute allen auch. Lieschens Mutter konnt' bald sehn, was mit ihrem Kind geschehn: "Bringst du uns ein Kind ins Haus?" Schalt sie das arme Mädchen aus. Dieses sagte naiv: "Oh nein, das Kind gehört Frau Löwenstein. Sie hätte gern ein Kind im Haus, und ich trag' es für sie aus. Der Vater ist Herr Löwenstein, so wird's ein fremdes Kind nicht sein", sprach sie in voller Blüte, Die Mutter sprach: "Du meine Güte!"
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