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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 643 mal aufgerufen
 Kai-Uwe
Kai-Uwe Offline

Amateur

Beiträge: 27

07.01.2008 18:26
Das lange Sterben .... Antworten

Du willst wissen was das Alter ist
Nichts weiß ein Mensch vom Tod
Aber vom Sterben kann ich dir erzählen
Vom Sterben, das im Alter beginnt
Leise, fast behutsam raubt es dir Alltägliches

Keine Milch mehr im Kaffee
Vergessen die Toilette zu spülen
Wie schalte ich das Fernsehprogramm um?

Das Sterben beginnt mit dem Sitzen, Liegen- ohne Müdigkeit
Begleitet von den Wiederholungen am Vormittag
Unterhalten von den Talkshows am Nachmittag
Noch vor den 20 Uhr Nachrichten schläfst du

Das Sterben findet vor dem Fenster statt
Stunde um Stunde schaust du hinaus
In ein Bild, in dem vielleicht nur ich nichts erkenne
Es schmerzt mich nicht, dich sterben zu sehen, es verwundert mich

Ich frage mich ob du dich vermißt
Wie ist es, den Menschen zu verlieren, mit dem das Leben entstand?
Glaubst du das der Schmetterling seine Raupe vermißt?
Vielleicht bist du für dich immer noch du

Manchmal wieder das Kind
Das mit seinem Essen spielt
Manchmal die Dame
Die über ihrem Nachthemd ihren Pelzmantel trägt
Manchmal das junge Mädchen
Das verschmitzt über eine Bemerkung lächelt, ohne Zähne im Mund
Manchmal das Baby
Das in sein Bett näßt
Manchmal die Frau
Die ihren faltigen Körper schamhaft mit einem Handtuch umhüllt

Das Sterben dreht das Leben
Jetzt bringe ich dich ins Bett
Decke dich zu und schaue später noch mal nach dir
Wenn ich könnte würde ich dich zurückholen
Aber ich weiß nicht wohin du gehst
Zum Sinn des Lebens und des Sterben?
Ich möchte dir helfen diesen Weg zu gehen
Doch ob du das möchtest – das hast du vergessen
© K.-U. Götz

Sonja Rabaza Offline


Hausfreund/in



Beiträge: 477

10.01.2008 19:53
#2 RE: Das lange Sterben .... Antworten

Lieber Kai Uwe,
das Sterben, ein schwieriges Thema, das auch mich
immer wieder beschäftigt. Es gibt zu wenig Antworten, als
das man es wirklich verstehen könnte.
Mein 24-jähriger Sohn starb in der Blüte seines Lebens und
es ist auch heute noch für mich schwer zu begreifen. Ich
musste lernen, es anzunehmen; es gibt auf all meine Fragen
keine Antworten.
Einen Menschen am Ende seines Lebens zu begleiten ist wohl
schwer und doch eine verdienstvolle Aufgabe, ihn so anzunehmen,
geduldig und liebevoll.
Falls das Gedicht authentisch ist, möchte ich Dir ganz viel Kraft
und ganz viel Liebe wünschen und Dir auf diesem schweren Weg das
Verstehen wünschen, das Du Dir so sehr wünscht.

Liebe Grüsse
Sonja

Mit unserem Dasein versuchen die Welt ein wenig
besser zu machen

Eleonore ( Gast )
Beiträge:

20.01.2008 11:43
#3 RE: Das lange Sterben .... Antworten

Hallo Kai-Uwe,

der Titel deines Gedichtes hat mich neugierig gemacht -
und ich muß sagen, du hast mich sehr, sehr tief berührt.

Ich gehe davon aus, dass diese Worte authentisch sind, sonst könntest du nicht diese Gefühle weitergeben. Du beschreibst mit sehr warmen Worten eine Situation, die sicher nicht leicht zu bewältigen ist, die aber der ein oder andere von uns auch durchmacht, oder durchmachen muß.
Ich habe mir darüber auch schon oft Gedanken gemacht, meine Eltern sind beide über 80 und man sieht schon, wie das Leben abbaut. Dann kommen diese Gedanken, die du auch beschreibst - man denkt daran, dass diese Menschen uns behütet haben, uns beschützt haben und lebensfähig gemacht haben und nun werden sie langsam hilfsbedürftig.

Du hast wunderbare Worte gewählt, um diese Situation zu schildern, man spürt die Liebe und Wärme zu dieser Frau - eigentlich ist es eine riesengroße Liebeserklärung an deine Mutter.

Dein Gedicht gefällt mir sehr gut, weil es so menschlich ist, weil es voller Liebe ist - und mit ganz leisen Worten geschrieben !!!

Viel Kraft wünsche ich dir!

Liebe Grüße,
Eleonore



Kai-Uwe Offline

Amateur

Beiträge: 27

21.01.2008 19:08
#4 RE: Das lange Sterben .... Antworten

Grüß Dich Sonja ....

Das Gedicht ist authentisch, in erster Linie privater Natur, da es sich um meine Mutter handelt die vor ca. 25 Jahren an Krebs starb. In zweiter Linie ist es aber auch aus beruflicher Sicht authentisch, da ich exam. Altenpfleger bin. Dieses Beruf übe ich mittlerweile 15 Jahre aus. Drei Jahre habe ich in einem Hospiz als Sterbebegleitung gearbeitet. Man kann den Tod noch soviel begegnen: es bleiben die Fragen die man sich auch beim ersten Mal gestellt hat – es gibt einfach keine Antworten. Und das ist wohl das Schwerste: dieses annehmen zu können. In seinem Leben so zu integrieren, dass man damit leben kann.

Es gibt keine Worte, keinen Trost, was den Verlust Deines Sohnes lindern könnte – im Gegenteil: jedes Wort ist unzulänglich, zu klein für den unbeschreiblichen Schmerz. Nur das Dasein, das Halten Deiner Hand durch einen Dir nahestehenden Menschen kann so etwas wie Trost geben. Und das auch nur für eine sehr, sehr kurze Zeit.


Grüß Dich Eleonore ....

Vielen Dank für Deine Worte, sie haben mich sehr gefreut. Wie Du sicherlich schon in der Antwort gelesen hast, ist dieses Gedicht in der Tat authentisch. Ich finde es sehr erstaunlich, dass Du sofort erkannt hast, dass es sich um meine Mutter handelt.

Euch Beiden nochmals vielen, vielen Dank für Eure Worte. Ja, sie geben mir Kraft.

Kai-Uwe

Heike Offline




Beiträge: 1.177

22.01.2008 10:52
#5 RE: Das lange Sterben .... Antworten

Berührende, bewegende Zeilen...
auch ich verlor meine Mutter letztes Jahr an Krebs und
ich kann jede Zeile deines Gedichtes nachempfinden...
Gott sei Dank war ihr Leidensweg nicht allzu lang...
tröstende Worte...ja, das fällt schwer...

ich verstehe...und fühle nach...

mitfühlende Grüße,

Heike


Das Leben und dazu eine Katze, das gibt
eine unglaubliche Summe.[small]- Hermann Hesse-
[small]

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