|
Zeit
Zeit, zweigesichtige Wesenheit, bist du ein Engel, bist du ein Dämon? Bist gut du, böse, menschlich geprägt oder göttergleich, ewig, endlich?
Du bist einfach da, gefräßig - verschlingendes Ungeheuer, auslöschend, zerstörerisch, raffend dahin und neu erschaffend, den Göttern gleich Chancen verteilend, ergießend ein Füllhorn ungleicher Gaben hinein in das Leben, unaufhörlich, barmherzig und gnadenlos.
Bist Vergangenheit du oder Gegenwart? Oder gehörst du der Zukunft an? Bist Plural du oder Singular? Bist du alt oder neu, antik, modern? Kommst du aus der Ewigkeit? Gehst du in die Unendlichkeit?
Allem voran marschierst du, Zeit, hinter allem waberst du her, dehnst maßlos dich aus und vergehst doch zu schnell, holst alles ein, unüberholbar selbst. Du spielst mit den Völkern und ihrem Geschick. Mächtig bist du, ein harter Tyrann. Du bist unausweichlich.
Du hast kein Alter, du hast keinen Ort, warst, bist und wirst sein, immer und überall. Zeit, du bist zeitlos.
| |