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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 283 mal aufgerufen
 Karl-Heinz Fricke
karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

07.01.2007 01:35
Blind Zitat · antworten

Starre Augen schauten mich an,
die Augen von einem alten Mann.
Die Sehkraft ging ihm schon verloren,
zu jener Zeit, als er geboren.

So weiss er nicht, was Farben sind,
ob sie kräftig oder lind.
Kein leuchtend Rot, kein Himmelsblau,
auch nicht die Schönheit einer Frau.

Nicht der Blumen bunte Pracht,
ein Feuerwerk in dunkler Nacht.
Eines Kindes schöne Locken,
die Form der grauen Kirchenglocken.

Schlimm ist es, wenn ein Menschenskind
auf beiden seiner Augen blind.
Vieles würde es verstehen,
hätte es schon mal gesehen.

So ist es nicht übertrieben,
dass wir unsere Sehkraft lieben,
denn dieser Orientierungssinn
ist unser Leben doch schlechthin.

helga ( Gast )
Beiträge:

07.01.2007 17:21
#2 RE: Blind Zitat · antworten

Lieber Karl-Heinz, das habe ich mir auch schon öfter überlegt. Diesen Menschen
geht eine Leidenschaft verloren, die für mich einen großen Teil der Lebensqualität
ausmacht. Natürlich sind der Tastsinn und das Gehör wesentlich feiner ausgebildet
wie bei den 'Sehenden'. Ob das ein Ersatz ist? Immerhin vermissen sie die Farben
nicht, denn was er nicht kennt, kann es nicht vermissen. Es kann allenfalls
die Neugier anfachen. Ich stelle mir Blindheit sehr gefahrvoll und beängstigend vor.

Stefanie Offline

Treue Seele



Beiträge: 1.347

07.01.2007 18:58
#3 RE: Blind Zitat · antworten

Ich kann mich da Deinen Worten nur anschließen. Blind zu sein stell
ich mir auch schlimm vor, lieber Karl-Heinz.
Aber ich glaube, es ist immer eine Sache des Standpunkts.
Ich hab mal in einem Interwiew gesehen, als sie einen Blinden gefragt
haben, ob blind zu sein nicht das schlimmste wäre. Er antwortete:
Fragen sie das mal einen Rollstuhlfahrer, der ab dem Hals abwärts
gelähmt ist.
Ich denke, wirklich schlimm wird es erst, wenn man seine Lebensfreude
verloren hat. Und das kann auch einem Gesunden passieren.
Ein tolles Gedicht von Dir!!



Hinrich Offline


Hausfreund/in



Beiträge: 591

07.01.2007 19:39
#4 RE: Blind Zitat · antworten
Lieber Karl-Heinz,

ich taste, ich rieche, ich höre, ich schmecke,
ich empfinde mit dem ganzen Körper und
mit der Seele und doch würde mir etwas fehlen,
wenn ich nicht sehen könnte.

Es ist für uns Sehende unvorstellbar, ohne dieses
Geschenk des allmächtigen Lebensspenders die ganze
Vielfalt der Natur erfassen zu können.

Du hast es so richtig beschrieben, daß es mir
schwer fällt, zu glauben, mit anderen Realitäten
zurecht zu kommen.

Aber Stefanies Beispiel - die Aussage eines Blinden -
zeigt auf, das offensichtlich alles relativ ist.

Du hast uns Deine Beobachtungen wieder einmal mit einem
leicht zu lesenden Gedicht sehr anschaulich vermittelt.

Danke dafür
und liebe Grüße aus Old Gemany

Hinrich

©whp

karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

07.01.2007 19:42
#5 RE: Blind Zitat · antworten

Liebe Helga und liebe Steffi,

Es mag schon zutreffen, dass es schlimm ist, wenn man z.B. gelähmt, oder unheilbar krank ist. Unsere Sinne jedoch bestimmen unser Leben. Ohne sie, besonders Augen und Gehör, kann ich mir kein Leben vorstellen.
Ich danke für Eure Gedanken dazu.

Bernd ( Gast )
Beiträge:

08.01.2007 14:36
#6 RE: Blind Zitat · antworten

Lieber Karl-Heinz,
in Steffis Beitrag steckt viel Wahrheit.
Ich habe glückliche Menschen unter den Blinden gesehen.
Ich habe auch mit vielen Behinderten gesprochen, die trotz ihrer Behinderung das Leben als schön und lebenswert angesehen haben.Ich spreche nicht von den Schwerstleidenden.
Ich habe auch mit vielen unzufriedenen Menschen ohne Behinderung gesprochen.
Ein tolles Gedicht



Was man nicht aufgibt,hat man nie verloren
(Friedrich Schiller)

Meine Bücher
Sturmwind-Gedankliches Inferno
Eiszeit-Die Gewohnheit zu Besuch

karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

08.01.2007 23:19
#7 RE: Blind Zitat · antworten
Lieber Hinrich,
Ich bewundere immer blinde Menschen, die ihr Schicksal tapfer tragen und dabei noch zufrieden sind. Ihnen geht sehr viel verloren, was uns die Augen schenken. Ich möchte hier ein Beispiel aus meiner Heimatstadt Goslar nennen. In den Jahren von 1930 bis in die 50-er Jahre gab es ein Ehepaar, das sich mit ihrer Drehorgel und Rohrstühle reparieren ihren Lebensunterhalt verdienten. Der Mann war blind. Nur montags durften sie in der Stadt spielen. An den restlichen Wochentagen fuhren sie mit ihrer Orgel, die auf einem Handwagen montiert war über die Dörfer, Alles zu Fuß. Die Frau ging in die Bäckerläden und bekam Erzeugnisse von gestern gratis. Der Mann, der nie sehen konnte, starb mit 85 und die Frau mit 98.

Hinrich Offline


Hausfreund/in



Beiträge: 591

09.01.2007 12:57
#8 RE: Blind Zitat · antworten
Der kleine Eisverkäufer

Ich kannte ’mal ein Großstadtkind,
das irrte einsam durch die Gassen.
Es konnt’ nicht sehen, es war blind,
und ganz alleine und verlassen,
wußt’ nicht wo seine Eltern sind.

Und trotzdem hat es hell gelacht,
als ich zu ihm gegangen –
und hat gefragt, sag wer du bist
und mir erzählt, wen er vermisst
und seine Arme weit gemacht:

Es habe keine Mama mehr,
Der Papa sei ein Säufer,
sein Schwesterchen sei umgekommen
Drum habe es sich vorgenommen,
es werde einmal Eisverkäufer.

© whp

Lyla Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 435

09.01.2007 13:32
#9 RE: Blind Zitat · antworten

Dein Gedicht, lieber Karl- Heinz, macht einem mal wieder bewußt,dankbar zu sein wenn man all diese schönen Dinge auch sehen darf und kannLydia

Camaela ( Gast )
Beiträge:

10.01.2007 10:44
#10 RE: Blind Zitat · antworten

...wir bedauern diese Menschen, weil
ihnen etwas zu fehlen scheint, was
wir besitzen.

Vielleicht sind aber die Blinden
viel glücklicher dran als die
Sehenden. Sie brauchen das Elend
dieser Welt nicht auch noch zu "sehen"

das ist ein sehr gutes Gedicht, lieber Karl-Heinz

aber hast du schon mal darüber nachgedacht, dass wir die
Augen zum Sehen gar nicht brauchen? Unser Gehirn kann
auch ohne Augen sehen...das zeigen uns unsere nächtlichen
Träume doch nur allzu deutlich


Früchte reifen durch die Sonne, Menschen reifen durch die Liebe.
(Julius Langbehn)

karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

11.01.2007 01:31
#11 RE: Blind Zitat · antworten

Liebe Regine und liebe Lydia,
Auch als Blinder könnte man viele Dinge tun, und auch genießen. Ich denke da an die Musik und das gesprochene Wort. Die Augen sind allerdings die Quality des Lebens schlechthin. Ich weiss nicht, ob ich ohne die Sehkraft leben möchte.

sieghild ( Gast )
Beiträge:

11.01.2007 12:40
#12 RE: Blind Zitat · antworten

lieber ha-he,wie immer sind deine worte
aus dem täglichen leben gegriffen ,
wie haben sie eine große aussagekraft.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Es gehört oft mehr Mut dazu,seine Meinung
zu ändern,als ihr treu zu bleiben.

Hebbel.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Biggi Offline

Administratorin


Beiträge: 2.524

11.01.2007 16:55
#13 RE: Blind Zitat · antworten

Für uns "Sehenden" ist es schwer, sich vorzustellen,
ohne Augenlicht leben zu müssen. All die schönen Dinge,
die doch unser Leben bereichern nicht mehr sehen zu können.
Blinde, die schon von Geburt an blind sind, kennen es nicht anders
und dennoch denke ich, dass sie sicher auch ab und an etwas vermissen.
Noch schlimmer ist es glaube ich für Menschen, die durch einen
Unfall z.B. ihr Augenlicht verlieren.

Respekt hab ich vor allen Menschen, die trotz einer Behinderung (welcher Art auch immer die sein mag)
glücklich sind... Lebensfreude besitzen... das Beste daraus machen und sich nicht unterkriegen lassen!
Und das sind doch sehr Viele! Sie nehmen ihr Schicksal an und Leben damit.
Der einzige Weg, zufrieden zu sein.

Klasse dein Gedicht, lieber Karl-Heinz, das mal wieder anhält, bissl über sich und seine Mitmenschen nachzudenken!
Danke dafür...


Weniger ist oft mehr
Tiggis-Podium


karl-heinz fricke Offline

Hausfreund/in



Beiträge: 655

13.01.2007 00:26
#14 RE: Blind Zitat · antworten

Liebe Sieghild und liebe Biggi,
Ich danke Euch fuer Eure Worte. Wenn man alt ist und blind wird, dann kann man vielleicht damit fertig werden.
Wer jedoch jung ist und einmal; sehen konnte, f[r den muss es sehr schlimm sein.

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